Donnerstag, 1. Mai 2014

Exzerpt Luhmann GdG Kapitel I.IX Komplexität (S. 134-144)

Zu Beginn möchte ich als erstes mit der Definition von Komplexität beginnen, um den Unterschied des Begriffes zu unserem Alltagsverständnis darzustellen. Dadurch wird die Stellung innerhalb der Komplexität .... 

weiter geht es unter https://www.academia.edu/7037498/Exzerpt_Luhmann_GdG_Kapitel_1.IX_Komplexitat

Samstag, 21. September 2013

Hypothesen bei Niklas Luhmann als Einstieg zu empirischen Untersuchungen auf Gesellschaftsebene (von Lutz Ebeling)


Hypothesen und zugehörige Überlegungen

Differenzierungen stellen sich als Folge von Systemdifferenzierungen ein (vgl. Luhmann 1997: 597). D.h. im Umkehrschluss, dass sich Entdifferenzierung dadurch auszeichnet, dass Systeme zu Grunde gehen oder genauer Systemdifferenzierung abnimmt. Das Systeme zu Grunde gehen ist zwar ein notwendiges jedoch kein hinreichendes Kriterium - man denke an die flüchtigen Interaktionssysteme.

Systemdifferenzierung ist rekursive Systembildung (vgl. Luhmann 1997: 597).

Wenn aufgezeigt werden kann, dass in den einzelnen Teilsystemen bei allen unterschiedlichen inhaltlichen Ausprägungen dennoch identische Strukturen – binäre Codes, Programme, Selbstbeschreibungen, Beobachtungen zweiter Ordnung, Kontingenzformeln, strukturelle Kopplungen usw. – nachweisbar sind, dann könne das als Beleg für die These der funktionalen Differenzierung der modernen Gesellschaft geltend gemacht werden (vgl. König 2012: 8).

Ausgehend von der leitenden Überlegung, dass Umbrüche in der Gesellschaftsstruktur durch semantische Innovationen vorbereitet oder auch durch eine trügerische Kontinuität in der Semantik verdeckt werden können, untersucht Luhmann anhand der historischen Entwick-lung von Begriffen wie z.B. Staat, Recht oder Individuum, in welchem Verhältnis Struktur und Semantik in verschiedenen gesellschaftlichen Ordnungen jeweils stehen[1] (vgl. König 2012: 9)

Soziale Systeme können ihre Selbstreproduktion nur mit Hilfe von Selbstbeobachtungen und Selbstbeschreibungen durchführen (Luhmann 1984: 230):



[1] Siehe die vier Bänder mit dem Titel Gesellschaftsstruktur und Semantik

Synonyme, Erläuterungen

Wenn ein soziales System entsteht wird das Ausdifferenzierung genannt (vgl. Luhmann 1997: 597)

Literatur

König, Tim (2012): Einführung in die Systemtheorie. Studienbrief Nr. 03198. FernUniversität in Hagen, Hagen. KSW.

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 2 Bände. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.



(Lutz Ebeling, Stand 25.09.2013)


Freitag, 4. Januar 2013

Wozu dient oder was ist die Identität eines sozialen Systems?

1) Gibt es eine Identität des Sozialsystems? (Im folgenden kurz Systemidentität genannt).
2) Ohne den Begriff Identität nachgeguckt zu haben - glauben wir dass Autopoiesis, Selbstreferenz oder Codeoperationen hier nicht ausreichen. "Identität" scheint doch mehr ein Programm oder gar ein Wert zu sein?
3) Wie wandelt sich die Systemidentität?
4) Wie wird sie verstärkt oder abgeschwächt? Durch Autopoiesis? Ist diese Bestärkung das, was man bei psychischen Systemen "Selbstbewusstsein schaffen" nennt?
5) Kann man diese Systemidentität mit der Identität eines psychischen Systems vergleichen, also welche Funktion haben beide?
 6) Besitzen Hartz-IV-Empfänger weniger Identität als vor ihrer Arbeitslosigkeit? Oder ist es eine andere Identität?
7) Ist Identität ein ähnlich breiter Begriff wie ein Wert, sodaß damit Stabilitäts- und Veränderungsbewegungen von Systemen analysiert werden können?
8) Brauchen wir in der Systemtheorie so ein Begriff überhaupt? Oben wurden systemtheoretische "Ersatzbegriffe" (Autopoieses, Code, usw.) bereits angedeutet. Was hätte der Begriff der Identität für einen Erkenntniswert?

So allzu viel scheint im Register zweier wichtiger Luhmannwerke nicht zu finden zu sein, es scheint aber ein Einstieg zu sein:
  • sozSys: Identität 100, 1 1 2 , 136, 252, 356f.; s. Reflexion - als Erwartungsbedingung 426 ff. -, personale/soziale 352, 360 f.,373. 551 
  • GdG: Identität 46 f., 94, 628, 796 f., 878, 889, 931, 1015, 0135, 1051
Man müsst mal in die Bibliothek gehen, Literaturrecherche und bei intensiv Luhmann nachlesen, oder wer hat eine spontane Meinung dazu?

Samstag, 22. Dezember 2012

Ist der Dritte die Systemreferenz?

Bsp.: Komplexität durch Komplexität reduzieren.

Bei Entfaltung dieser Tautologie (also einer scheinbaren Paradoxie), kommt der Dritte durch Systembildung hervor. Es bilden sich Supra- oder Subsysteme, insbesondere letzteres ist bei Luhmann zu finden (Stichwort Differenzierung). Aber das ist nicht mein Problem, sondern  ich möchte die Antwort auf meine gestellt Frage finden. Ein Versuch:

Nenne ich Luhmann oder besser Systemdifferenzierung zur Komplexitätssteigerung (also der o.g. Entfaltung des Beispiels), ist es doch zunächst nichts anderes als eine Systemreferenz, die ich wähle, oder? Also trivial. Steht schon alles geschrieben.  Aber wenn nun zusätzlich der Dritte unsichtbar ist ( der blinde Fleck), ich aber eine Systemreferenz wählen kann, sie offenbar "sehen" kann (sic!), bspw. um das unsichtbare in dem o.g. Beispiel zu finden, kann es doch nicht sein, dass die Systemreferenz der Dritte ist? Oder vielleicht doch? Oder ist die Frage falsch gestellt? Wo ist mein Denkfehler? Ich befürchte die Systemreferenz oder der berühmte Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. SysRef = Umwelt einer binären Betrachtungsweise. Der Dritte eine tertiäre Betrachtungsweise, also auf einer anderen Ebene. Also Äpfel und Birnen - schade, eigentlich. Aber ich gebe nicht auf, deswegen das Blog hier.

Hintergrund: Ich bin auf der Suche nach Tertialität. Die Binarität bei Luhmann ist schon genial, aber fehlt da nicht der blinde Fleck? Hat er nicht so was ähnliches mal von sich gegeben, dass er leider keine Zeit mehr hat seine Theorie auf Tertialität umzustellen? Ich suche mal weiter.....

criticism welcome....

Samstag, 5. Februar 2011

Wiederanmeldung. Beschäftigung mit Sozionik

Liebe Leute, bin wieder da. Im Bereich der Sozionik - einer Gemeinschaftsunternehmung der Informatik und Soziologie. Wir wünschen uns viel Spaß, ciao, Lutz

Dienstag, 18. Januar 2011

Teaser zu dem Artikel "Gesellschaft und ihre Organisationen" (Niklas Luhmann 1994).

In dem Artikel "Gesellschaft und ihre Organisationen" (1994) versucht Luhmann folgende Fragen zu klären: "Kann man sagen, daß Organisationen ein anderer Gegenstand sind als die Gesellschaft und ihre Teilsysteme, obwohl es doch in all diesen Teilsystemen von Organisationen nur so wimmelt und organisationsfreie Interaktionen, die sich gleichwohl einem Teilsystem der Gesellschaft ausschließlich zuordnen lassen, schwer zu entdecken sind? Worin besteht eigentlich der Unterschied dieser Systemformen? Und sodann: wieso scheinen sie aufeinander angewiesen zu sein?" (189). Bei dem Versuch der Klärung der Fragen legt Luhmann einen systemtheoretischen Ansatz zu Grunde. Wichtig ist bspw. dabei die Differenz Inklusion/Exklusion, wenn es um die Funktion von Organisationen innerhalb von Funktionsystemen geht (vgl. 192f.). Weiterhin ist interessant zu lesen, dass man eine gesellschaftliche Funktion von Organisationen als Verdichtung von struktureller Kopplung zwischen Funktionssystemen bezeichnen kann (vgl. 195). Luhmann kommt bei seiner Erörterung unter anderem zu dem Schluss, dass gesamtgesellschaftliche Vorgaben an Bedeutung verloren haben und durch organisationsinterne Rücksichten auf Außenbedingungen ersetzt worden sind (vgl. 198). Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Texten nach der autopoietischen Wende (1984) enthält die Abhandlung viele Beispiele trotz seiner zahlreichen abduktiven Thesen.

Literatur
  • Luhmann, Niklas 1984. Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (stw666), ISBN-10: 3-518-28266-2.
  • Luhmann, Niklas 1994. Die Gesellschaft und ihre Organisation. In: Derlin, Hans-Ulrich; Gerhardt, Uta; Scharpf, Fritz W. (Hrsg.) 1994. Systemrationalität und Partialinteresse. Festschrift für Renate Mayntz. Baden-Baden: Nomos.

Stichworte:
# Organisationen, Gesellschaft und ihre Teilsysteme, Systemformen, Kommunikationen, rekursiven Netzwerk, Operationen, Mitgliedsrollen, ausdifferenziert (189).
# Entscheidungen, Regeln, Entscheidungsspielräume, Irritabilität, Gesellschaft, Funktionale Differenzierung, Funktionssystem, Hochleistungsbereiche (190)
# kollektive Akteure, strukturelle Kopplungen (191). "Eine weitere gesellschaftliche Funktion von Organisationen könnte man als Verdichtung von strukturellen Kopplung zwischen Funktionssystemen  bezeichnen" (195). Bzgl. Organisation und struktureller Kopplung siehe Lieckweg 2001.
# Inklusion, Exklusion, Personen, Funktionssysteme. "Daß gerade Funktionssysteme auf Organisationen angewiesen sind, ergibt sich aus einem Umkehrverhältnis von Inklusion und Exklusion" (192). "Die Organisation kann Mitglieder einstellen und entlassen, sie kann Inklusion und Exklusion regulieren" (193).
# Konditionalprogramm, Interdependenzen. "[I]nnerhalb der Funktionssysteme [werden] Interdependenzen unterbrochen und Stufenfunktionen hergestellt" (193f.)
# Stufenfunktionen, "Interdependenzunterbrechungen (Ultrastabilität) [ist] ein notwendiges Erfordernis komplexer dynamischer Systeme" (194)

Samstag, 15. Januar 2011

Teaser zu "Die Gesellschaft und ihre Organisation" (Niklas Luhmann 1994)

Luhmann versucht in dem Text "Die Gesellschaft und ihre Organisation" (1994) folgende Fragen zu beantworten: "Kann man sagen, dass Organisationen ein anderer Gegenstand sind als die Gesellschaft und ihre Teilsysteme, obwohl es doch in all diesen Teilsystemen von Organisationen nur so wimmelt und organisationsfreie Interaktionen [...] schwer zu entdecken sind? Worin besteht eigentlich der Unterschied dieser Systemformen? Und sodann: wieso scheinen sie aufeinander angewiesen zu sein?" (Luhmann 1994, 189).  

Es werde die zentralen Organisations-Eigenschaften Mitgliedschaft (Struktur) und Entscheidungen (Kommunikation) aus systemtheoretischer Perspektive beleuchtet. Desgleichen diskutiert Luhmann wie sich Organisation als Typ eines sozialen Systems von Funktionssystemen abgrenzt (z.B. dass Organisationen in allen Funktionssystemen vorkommen) und wie die Bedeutung bzw. das Verhältnis der Organisation zu diesen “Hochleistungsbereichen” (S. 190) ist - bspw. die wichtige Differenz der Inklusion/Exklusion

Im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen nach der “Autopoiesis”-Wende von 1984 verwendet Luhmann viele Beispiele zur Illustration seiner abduktiven Abhandlung.
 

Literatur
  • Lieckweg, Tania 2001. Strukturelle Kopplung von Funktionssystemen "über" Organisation. In: Soziale Systeme 7, Heft 2, ISSN 0948-423X.
  • Luhmann, Niklas 1984. Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (stw666), ISBN-10: 3-518-28266-2.
  • Luhmann, Niklas 1994. Die Gesellschaft und ihre Organisation. In: Derlin, Hans-Ulrich; Gerhardt, Uta; Scharpf, Fritz W. (Hrsg.): Systemrationalität und Partialinteresse. Festschrift für Renate Mayntz. Baden-Baden: Nomos, 189-201.
  • Luhmann, Niklas; Baecker, Dirk (Hrsg.) 2002c. Einführung in die Systemtheorie. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, ISBN: 3896702920.


Anmerkungen:
"Diese Offenheit und Irritabilität des Systems in Bezug auf eigene Zustände bei garantierter Kommunikationsfähigkeit ist Voraussetzung für die gesellschaftliche Funktion von Organisationen" (192). Organisationen der Wirtschaft konzentrieren sich aufs Geldverdienen - selbstreferente Kommunikation. Fremdreferente Kommunikation beobachtet z.B. den Markt oder indirekt Kunden - alles in einem schmalen Ausschnitt der möglichen Kommunikationen; zumindest aus Sicht der Organisation; bspw. ähnlich  dem "Gehirn über Auge und Ohr" (Luhmann/Baecker 2002, 121). Zudem ist vertraute private Kommunikation, z.B. zwischen Angestellten, nicht Teil der Kommunikation der Organisation. Ein Tennisclub kommuniziert, dass Plätze im Sommer wieder hergerichtet werden oder - außer dem eigentlichen Sporttreiben - wann und wie das nächste Turnier organisiert wird. Dies ist eine komplexitätsreduzierte thematische Konzentration der Kommunikation innerhalb des Systems. "Über Organisationen macht die Gesellschaft sich diskriminationsfähig, und zwar typisch in einer Weise, die auf Funktion, Code und Programme der Funktionssysteme abgestimmt ist" (193).


Stichworte:
  • Organisationen, Gesellschaft und ihre Teilsysteme, Systemformen, Kommunikationen, rekursiven Netzwerk, Operationen, Mitgliedsrollen, ausdifferenziert (189).
  • Entscheidungen, Regeln, Entscheidungsspielräume, Irritabilität, Gesellschaft, Funktionale Differenzierung, Funktionssystem, Hochleistungsbereiche (190)
  • kollektive Akteure, strukturelle Kopplungen (191). "Eine weitere gesellschaftliche Funktion von Organisationen könnte man als Verdichtung von strukturellen Kopplung zwischen Funktionssystemen  bezeichnen" (195). Bzgl. Organisation und struktureller Kopplung siehe Lieckweg 2001.
  • Inklusion, Exklusion, Personen, Funktionssysteme. "Daß gerade Funktionssysteme auf Organisationen angewiesen sind, ergibt sich aus einem Umkehrverhältnis von Inklusion und Exklusion" (192). "Die Organisation kann Mitglieder einstellen und entlassen, sie kann Inklusion und Exklusion regulieren" (193).
  • Konditionalprogramm, Interdependenzen. "[I]nnerhalb der Funktionssysteme [werden] Interdependenzen unterbrochen und Stufenfunktionen hergestellt" (193f.)
  • Stufenfunktionen, "Interdependenzunterbrechungen (Ultrastabilität) [ist] ein notwendiges Erfordernis komplexer dynamischer Systeme" (194).