Sonntag, 2. November 2014

Exzerpt zu "Gesellschaftliche Struktur und semantische Tradition" (Luhmann 1993a)

Hauptthese
Seine Hauptthese ist, dass Semantik und Sozialstruktur korrelieren (siehe Fußnote (kurz Fn.) 1). 

Im Text plausibilisiert er diese These mit der funktionale Differenzierung im Vergleich zu stratifikatorischer Differenzierung (Ständeordnung).

Buchklappeninnentext und Vorwort, Definitionen
Unter Semantik versteht Luhmann "kulturgeschichtliche[s] Material" (1993b: 7). Unter einer "'gepflegten' Semantik" versteht Luhmann "die bewahrenswerte[n] Gesichtspunkte der sozialen Kommunikation [...], [die] aus[ge]arbeitet, konserviert und variiert" wird (1993a: Buchklappeninnentext).
Weitergehende Definition von Semantik siehe S. 19.
Definition Latenz (S. 65)

Kapitel I: Kritik an Historikern
Luhmann kritisiert die Historiker wegen fehlendes Theoriebezuges (15) (Fn. 2). Zudem ist Wissen standortabhängig (12)

Kapitel II: Ausdifferenzierung als typifizierter Sinn der Semantik
Semantik bildet Formen typifizierten Sinns (19) - mit situativen Vorkehrungen wie Rollen (20). Das ist somit Ausdifferenzierung - bestehend aus dem Zusammenhang von Systemdifferenzierung und Komplexität (20).

Kapitel III: Zum Zusammenhang von Komplexität und Systemdifferenzierung.
Komplexität ist die intervenierende Variable zwischen Strukturänderungen und Semantik, die sich als emergenter Sinn anpasst (22 ff.), (Fn. 3). Die Semantik der Orientierungserfordernisse zwingt zur Selektion (24); ähnlich wie Normen (L.E.). Dadurch ist Systemdifferenzierung mit Teilsystemen und gesellschaftsinternen Umwelten erforderlich (25). Dies lässt sich wie folgt grafisch darstellen (34)
     Element/Relation  > Komplexität
                                                                    > Semantik
     System/Umwelt    > Differenzierung

Die Differenzierung wird gegenüber der Komplexität ausführlicher dargestellt: Teilsysteme sind beispielsweise Funktionssysteme mit je spezifischer Funktion (für die Gesellschaft), Leistung (für andere Funktionssysteme) und Reflexion (für sich selbst) (29 ff.). Um die funktionale Differenzierung gegenüber der Ständeordnung zu erläutern wird beispielsweise das Prinzip der Inklusion und Gleichheit als Wertpostulate dargestellt (33 f.). Gleichheit wird an Individualität festgemacht. 

Kapitel IV: Sinndimensionen
Es geht um Sinndimensionen (sachlich, zeitlich, sozial) und die darin vorkommende Variationen und Selektionen der Evolution:
  1. Sachlich bedeutet eine Spezialisierung, eine "Steigerung des Auflöse- und Rekombinationsvermögens" (37, kursiv i. Ori.). 
  2. In der Zeitdimension findet Beschleunigung statt (38).
  3. In der Sozialdimension geht es um doppelte Kontingenz und ihre Kontrolle (38).

D.h. die evoluierende, variierende Komplexität schafft sich Korrelate in den drei Sinndimensionen. Der Selektiondruck und die sich dadurch ergebenen Formen in den Sinndimensionen sind jeweils voneinander unabhängig.

Luhmanns These ist, dass die Semantik der Differenzierung folgt (39).

Die Limitationalität von Semantiken (begrenzte Denkmöglichkeiten) werden auf Basis von Selbstreferenz in den Funktionssystemen ermittelt (40).

Kapitel V: Evolution und Differenzierung
Die Evolution (Strukturänderung) erklärt Unvorhergesehenes. Die Sinnhaftigkeit des Erleben und Handelns sind die Mutationen der sozio-kulturellen Evolution (42).

Zu klärende Fragen wären
  1. wie die gesellschaftliche Evolution die interne Evolution der Teilsysteme ermöglicht (42); 
  2. oder ob Ideenevolution eigenständig ist (45)?
Evolutionstheorie kann mit folgenden fünf Thesen hin zur Realität verdichtet (reduziert) werden 43 f.f.):
  1. Stabilisierung durch Differenzierung. 
  2. Einfluss durch die primäre Differenzierungsform. 
  3. Interne Evolution hat eine geringere Tragweite. 
  4. Ideenevolution (Semantik) ist zu unterscheiden von der Evolution der Teilsysteme.
  5. Die interne Evolution (der Teilsysteme) ist abhängig von der primären Differenzierung. D.h. auch eine Ideenevolution ist an die Semantik der primären (hier funktionalen) Differenzierung gebunden.
Kapitel VI: Bedingungen der Möglichkeiten von Ideenevolution.
Wie wird also Ideenevolution beeinflusst? Und wie lässt sich das untersuchen? Zu letzterem schlägt Luhmann folgendes vor:

  1. Selektion kann durch die Begriffe Plausibilität (leuchtet ein) und Evidenz (schließt Alternativen aus) untersucht werden (49). Beide Begriffe unterliegen auch der Variation. TEilsysteme unterliegen gesellschaftlicher und eigener Plausibilität/Evidenz (siehe oben These fünf).
  2. Stabilisierung kann durch Systematisierung und Dogmatisierung untersucht werden (50), beispielsweise Institutionalisierung. Hierbei hat die Ideenevolution eine gewisse Autonomie als Reflexionsform (Selbststabilität) (51). Die Krise des Dogmatismus (in der stratifikatorischen Differenzierung) kann als Stabilisierungsfunktion der funktionalen Differenzierung gesehen werden (51).
  3. Bei Variation sind es kognitive Inkonsistenzen und Probleme als Teil der Verschriftlichung (47). D.h. Variation braucht den Problembezug und Vermittlungsoperationen wie Änderung von Begriffsbedeutungen.
Der dabei zu untersuchende "empirische[...] corpus" (45) der Ideenevolution besteht aus besonderen Sinnzusammenhängen von gepflegter Semantik (46). Das wird thematisiert, wenn "Evolution in der Reflexion über sich selbst kommt, [...] als das, was sich ändert und damit als das, was in der Änderung Kontinuität garantiert" (46, Hervorh. i. Ori.).

Bedingung der Evolutionsfähigkeit sind eher intern (endogen).

Die Zeitdifferenz zwischen semantischen Innovationen kann groß sein.

Funktionssysteme binden Selektion.

Wenn Materialien in der Ideenevolution beispielsweisein die Wissenschaftsevolution überführt werden, lassen sich folgende Aspekte unterscheiden (52 f.):
  1. Erkenntnisfunktion 
  2. Neutralität 
    1. seitens des Subjekt sind es psychische und soziale Kontexte;
    2. seitens des Objekts ist es das Außerkraftsetzen der phänomenalen Wahrheit (Konstruktivisimus).
  3. Die interpretierte Welt ist für die Wissenschaft Umwelt, sie kann nicht die gesamte Tradition szientifizieren. Das muss als Relation interner und externer Bedingungen gelöst werden.
Fazit: Diese Reduktion der Wissenschaft ermöglicht eine Steigung des Wissens  (53), d.h. eine Komplexitätszunahme durch Komplexitätsreduktion (L.E.).

Kapitel VII: Probleme reflektierten Wissens statt gepflegter Semantik
Gepflegte Semantik wird zu (wissenschaftlichem) reflektiertem Wissen in der funktionalen Differenzierung. Die Wissenschaft löst sich ab vom Mitvollzug der Kommunikation (54). Ernst gemeinte Semantik verlagert sich in die Funktionssysteme (55), zwei Abstraktionen sind zu unterscheiden:

  1. Der Wertbegriff wird dabei eigenständig. 
  2. Relation Wissen und Gegenstand wird zum Problem (Apriorisierung versus Ideologie):
    1. Apriorisierung reduziert Komplexität auf die Identifizierung der Erkenntnisrelation (auf den Punkte, von dem aus Wissen als Wissen begründbar ist)
    2. Ideologie erweitert die Komplexität durch eine zweite Realitätsrelation.
Semantik braucht die Angabe einer Systemreferenz.

Kapitel VIII: Forschungen in der Wissenssoziologie und ihr Verhältnis zur Wahrheit
Statt Wahrheit geht es eher um das Vermögen Kontingenzen zu thematisieren (60). Es stellt sich die Frage wie die Mechanismus der Evolution zusammenhängen? Es geht beispielsweise dann um Selektion und Variation von aneinander anschließenden Ordnungen, die selektiv behandelt werden können und teils abhängig, teils unabhängig voneinander variieren (62). Hierbei sind diese Forschung über den Zusammenhang von Semantik und Sozialstruktur selbst wieder Ausgangspunkt für Evolution (62). D.h. der Gegenstand der Soziologie muss sinnhaft-selbstreferentiell begriffen werden.

Kapitel XI: Wissenssoziologie und Latenz
Da jede Selektion hinreichende Formbestimmung voraussetzt, gilt das auch für Latenz. (Deswegen ist die alte Frage ob latentes Wissen soziales Wissen werden kann obsolet (63)). "Von Latenz sollte man aber nicht im Hinblick auf das ganz Unbestimmte sprechen, denn auch latente Möglichkeiten sind bestimmte oder situativ bestimmbare Möglichkeiten, die aber trotzdem nicht aktualisiert werden können" (65). Latenz kann nicht aktiviert werden (66). Erst durch Systembildungen werden komplexe Bereiche ausgegrent wie beispielsweise Sinngrenzen, wobei drei Überlegungen beim Problem sinnerzwungener Selektion zu unterscheiden sind
    1. Es gibt weiterhin inopportune Möglichkeiten, bei denen die Gegenmöglichkeiten denkbar bleiben.
    2. bestimmte Strukturwahl bietet Sinnkombinationen verstärkt an (und schließt andere aus) - beispielsweise über Moral
    3. Latente Strukturen sind nicht einfach fehlendes Bewusstsein (67), sondern bleiben sinnhaft verfügbar. Sie regeln, was man in welchen Situationen verschweigen muss

Latenz braucht Systemschutz.

In der Soziologie wird Latenz einsehbar. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Korrelation Sozialstruktur/Semantik sich an unterschiedlichen System/Umwelt-Differenzen bricht.

Wissensoziologie steigert das Bewusstsein der Kontingenz und Nichtbeliebigkeit von Kombinationen.

Statt selbstreferentieller Theoriepraxis wäre eine evolutionstheoretischer Ansatz sinnvoll. Der Wiedereintritt der wahren Darstellung der Realität durch in den durch sie bezeichneten Sachverhalt stellt die Chance zur Wiederöffnung der Evolution dar (71).

Fußnoten
(1) Eine ähnliche These ist bei Habermas zu finden. (Eine genaue Referenz konnte in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht gefunden werden).
(2) Siehe ähnliche Kritik, jedoch breiter ausgearbeitet, in Luhmann (1981).
(3) Zur Komplexität siehe Exzerpt Komplexität.

Literatur
Luhmann, Niklas (1993a): Gesellschaftliche Struktur und semantische Tradition. In: Niklas Luhmann (Hg.): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. 4 Bände. Frankfurt am Main: Suhrkamp (1), S. 9–71.

Luhmann, Niklas (1993b): Vorwort. In: Niklas Luhmann (Hg.): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. 4 Bände. Frankfurt am Main: Suhrkamp (1), S. 7–8.

Luhmann, Niklas (1981): Geschichte als Prozeß und die Theorie sozio-kultureller Evolution. In: Niklas Luhmann (Hg.): Soziologische Aufklärung 3. Soziales System, Gesellschaft, Organisation. Opladen: Westdt. Verl., S. 178–197.

Fragen
i) Fragen zu Luhmanns These: dass es "[z]u einer konsolidierten Grundsemantik [...] typisch nach der Entwicklung einer Differenzierungsform" kommt (S. 39, kursiv i. Ori.): Wieso folgt die Semantik der Sozialstruktur? Wäre es nicht genauso andersrum denkbar? Beispielsweise würde erst über Ausdifferenzierung von Rollen geredet: "man müsste mal dies oder jenes tun" - also kommuniziert. Aber erst später wird dies als Handlung durchgeführt - d.h. nachdem es sich als plausibel und evident (vgl. S. 49) herausgestellt hat. Zugegebenermaßen schließt Luhmann das nicht aus, da er von "konsolidiert" und abschwächend von "typisch" spricht. Aber eine Begründung des "nach" gibt er scheinbar nicht.
Jedoch schreibt er auch, dass sie sich "wechselseitig beeinfluss" (34).

ii) Frage zum Re-Entry der Wissensoziologie (70): Wenn für Forschungen zu einem re-entry der Wissensoziologie (mit ihrer Untersuchung von Sinn und der Korrelation Sozialstruktur/Semantik) "eine Theorie selbstreferetieller Theoriepraxis wohl aus[scheidet]" und "[w]eniger anspruchsvoll ein evolutionstheoreitscher Ansatz" sei (70), dann ist mit selbstreferentieller Theoriepraxis wohl kaum die selbstreferentielle Theoriearchitektur Luhmanns gemeint? Oder müsste er sich da selbst nicht kritisieren? Was versteht Luhmann also in diesem Fall unter "Theoriepraxis"?

Montag, 13. Oktober 2014

Fragen zur Systemtheorie



1) Fragen kann man an folgenden Stellen gut posten:

a) Facebook Luhmann Gruppe - hier werde ich automatisch informiert

b) luhmann-online - bitte hier mich zusätzlich informieren. Dort gibt es keine automatische Benachrichtigung

2) Gerne übernehme ich Antworten, deren Fragen mich direkt erreichen:

a) Folgende "Frage" erreichte mich, dazu <meine Anmerkungen>:
<hier fehlen noch die Zitationen, also was wurde zitiert und was ist eigene Formulierung>

Also ein selbstreferentielles System hat zur Bedingung die kausale Offenheit und die operative Geschlossenheit, (was auf unterschiedlichen Ebenen erfolgt) damit es sich von seiner Umwelt abgrenzen bzw unterscheiden kann. und seine eigenen Einheiten selbstreferentiell reproduziert. Die Grenze des Systems zieht das System selbst. 


Die Selbstreproduktion des Systems schließt nur die Ursachen ein,welche durch das System selbst kontrolliert werden können. 

<Streng genommen ist der Begriff der "Ursache" problematisch>

Autopoiesis sagt nichts über die Struktur eines Systems aus. Die entsteht erst durch die strukturelle Koppelung an die Umwelt. 

<streng genommen entsteht sie "nur" durch die Autopoiesis. Inwieweit Informationen als Teil der Kommunikation der strukturellen Kopplung "Einfluss" haben ist ein größeres Thema>

Die Umwelt determiniert den Prozess der autopoietischen Reproduktion nicht. Das Autopoietische System ist immer selbstbezogen und deshalb für einen externen Beobachter umkalkulierbar. Ob dieses System nun determiniert oder indertiminiert Handelt ist somit nicht von Belangen. Die Determination durch die Umwelt kann nur im Fall der Destruktion erfolgen.


b) ....

3) zu "[...] Prozeß und [...] Evolution" (Luhmann 1981:178):

These: Die zentrale These ist, dass der historische Prozessbegriff durch den Evolutionsbegriff und seine drei Mechanismen Selektion, Variation und Restabilisierung abgelöst werden sollte. Die Einheit des Prozesses der Geschichte entspricht dann der Einheit von Evolution durch Evolution.

Fragen: 1) Meint Luhmann mit "Typus der Strukturänderung" (193) die drei Mechanismen der Evolution? 2) Wenn doch Evolution als "Veränderung ihrer eigenen Bedingungen" (193) betrachtet werden kann, warum sollte nicht auch "ein prinzipiell anderer Typus der Strukturänderung (etwa einer, der Voraussicht implizierte)" (193) möglich sein?


Luhmann, Niklas (1981): Geschichte als Prozeß und die Theorie sozio-kultureller Evolution. In: Niklas Luhmann (Hg.): Soziologische Aufklärung 3. Soziales System, Gesellschaft, Organisation. Opladen: Westdt. Verl., S. 178–197.


3) zum Text "Systemtheorie, Evolutionstheorie und Kommunikationstheorie" (Luhmann 1986: 193):

These:
Die zentrale These ist, dass eine Theorie der modernen, hochkomplexen Gesellschaft selbstreferentiell gebaut sein müsse (vgl. S. 193, 194, 200), da eine solche universalistische Theorie Teil ihres Gegenstandes - eines evoluierenden Systems -  ist, und somit selbst der Evolution unterliegt (vgl. S. 200). Dies könne eine Gesellschaftstheorie bestehend aus den drei zusammenhängenden Teiltheorien System-, Evolutions- und Kommunikationstheorie leisten.

Fragen:
1) A) Wenn "selbstreferentielle Theorien zunächst logisch und empirisch gehaltlos" (201) sind, sich also "ein Problem der logischen und empirischen Unbestimmbarkeit" (196) stellt, wie ist dann eine empirische "Verifikation" für diese Theorie möglich? ("Verifikation" meint eine Art statistisch signifikante Plausibilisierung; ohne von Falsifizierung im Sinne Poppers reden zu wollen). B) Was meint Luhmann mit "zunächst", wenn er schreibt, dass "selbstreferentielle Theorien zunächst logisch und empirisch gehaltlos" (201) sind?

2) Zur Selbstreferentialität:
Warum muss die Theorie selbstreferentiell gebaut sein, wenn doch eine Gesellschaftstheorie statistisch gesehen nur einen minimalen Anteil an Gesellschaft hat? Eine Begründung wäre vielleicht, dass auch die zu erklärende "Realität" selbstreferentiell ist, aber wäre das plausibel oder gäbe es genug soziale (selbstreferentielle) Phänomene, die diese Annahme rechtfertigen würden?



Luhmann, Niklas (1986 [1975]): Systemtheorie, Evolutionstheorie und Kommunikationstheorie. In: Niklas Luhmann (Hg.): Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft. 3. Aufl., S. 193–203.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Freitag, 10. Oktober 2014

Stichworte zu "Ort, Nina (2007): Reflexionslogische Semiotik. [...] Gotthard Günther [...] Charles S. Peirce. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft"

1) Es geht um die folgende Literatur: Ort, Nina (2007): Reflexionslogische Semiotik. Zu einer nicht-klassischen und reflexionslogisch erweiterten Semiotik im Ausgang von Gotthard Günther und Charles S. Peirce. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.

 2) Zu 0. Einleitung

 2.1 ) "Das Problem (...) besteht (...) darin, auf der Grundlage des dualistischen Erkenntnismodells wissenschaftliche Theorien zur Erklärung von solchen Phänomenen zu entwickeln, die ihrerseits den Gesetzen des zweiwertigen Denkens nicht mehr gehorchen" (Ort 2007: 11).
L.E.: Welche (sozialen) Phänomene gibt es denn, die diesen Gesetzen nicht mehr gehorchen? Mir fallen nur eher physikalische Phänomene ein, wie der Teilchen/Welle-Dualisms oder die Heisenberg'sche Unschärferelation. Gäbe es dann soziale (sic!) Phänomene?

2.2) "Konkret wird das immer dann problematisch, wenn anstelle von statischen Zustands- oder Phänomenbeschreibungen dynamische Phänomene der Entwicklung dargestellt werden sollen" (Ort 2007: 11).
L.E.: Man kann einwänden, dass das bei Luhmann kaum der Fall ist, beispielsweise die Integration der Evolutionstheorie in seiner Gesellschaftstheorie, aber auch die doppelte Kontingenz. Ort ist aber vermutlich auf einer anderen Ebene geringerer Systemkomplexität zuzustimmen.

2.3) "Günthers Reflexionslogik (beschäftigt) sich nicht mehr mit 'statischen' Objekten, sondern mit Prozessen. (...). (Es ist ein) Modell, das einen (...) konsistenten Entwurf für die Datstellung evoluierender, prozessualer, das heißt, nicht-klassischer, also lebendiger Systeme liefert" (Ort 2007: 13 f., Hervorh. i. Ori.).

<Leider verließ mich dann die Lust. Grund ist vermutlich, dass ich im Rahmen sozialer Systeme zu wenig mit "Regeln" anfangen kann, da man sich vermutlich eher mit der Kausalität in Luhmanns Theorie beschäftien muss. Das sagt aber nichts über die Qualität des Buches aus - es triff mein Thema eben nur am Rande>

Donnerstag, 1. Mai 2014

Exzerpt Luhmann GdG Kapitel I.IX Komplexität (S. 134-144)

Zu Beginn möchte ich als erstes mit der Definition von Komplexität beginnen, um den Unterschied des Begriffes zu unserem Alltagsverständnis darzustellen. Dadurch wird die Stellung innerhalb der Komplexität .... 

weiter geht es unter https://www.academia.edu/7037498/Exzerpt_Luhmann_GdG_Kapitel_1.IX_Komplexitat

Samstag, 21. September 2013

Hypothesen bei Niklas Luhmann als Einstieg zu empirischen Untersuchungen auf Gesellschaftsebene (von Lutz Ebeling)


Hypothesen und zugehörige Überlegungen

Differenzierungen stellen sich als Folge von Systemdifferenzierungen ein (vgl. Luhmann 1997: 597). D.h. im Umkehrschluss, dass sich Entdifferenzierung dadurch auszeichnet, dass Systeme zu Grunde gehen oder genauer Systemdifferenzierung abnimmt. Das Systeme zu Grunde gehen ist zwar ein notwendiges jedoch kein hinreichendes Kriterium - man denke an die flüchtigen Interaktionssysteme.

Systemdifferenzierung ist rekursive Systembildung (vgl. Luhmann 1997: 597).

Wenn aufgezeigt werden kann, dass in den einzelnen Teilsystemen bei allen unterschiedlichen inhaltlichen Ausprägungen dennoch identische Strukturen – binäre Codes, Programme, Selbstbeschreibungen, Beobachtungen zweiter Ordnung, Kontingenzformeln, strukturelle Kopplungen usw. – nachweisbar sind, dann könne das als Beleg für die These der funktionalen Differenzierung der modernen Gesellschaft geltend gemacht werden (vgl. König 2012: 8).

Ausgehend von der leitenden Überlegung, dass Umbrüche in der Gesellschaftsstruktur durch semantische Innovationen vorbereitet oder auch durch eine trügerische Kontinuität in der Semantik verdeckt werden können, untersucht Luhmann anhand der historischen Entwick-lung von Begriffen wie z.B. Staat, Recht oder Individuum, in welchem Verhältnis Struktur und Semantik in verschiedenen gesellschaftlichen Ordnungen jeweils stehen[1] (vgl. König 2012: 9)

Soziale Systeme können ihre Selbstreproduktion nur mit Hilfe von Selbstbeobachtungen und Selbstbeschreibungen durchführen (Luhmann 1984: 230):



[1] Siehe die vier Bänder mit dem Titel Gesellschaftsstruktur und Semantik

Synonyme, Erläuterungen

Wenn ein soziales System entsteht wird das Ausdifferenzierung genannt (vgl. Luhmann 1997: 597)

Literatur

König, Tim (2012): Einführung in die Systemtheorie. Studienbrief Nr. 03198. FernUniversität in Hagen, Hagen. KSW.

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 2 Bände. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.



(Lutz Ebeling, Stand 25.09.2013)


Freitag, 4. Januar 2013

Wozu dient oder was ist die Identität eines sozialen Systems?

1) Gibt es eine Identität des Sozialsystems? (Im folgenden kurz Systemidentität genannt).
2) Ohne den Begriff Identität nachgeguckt zu haben - glauben wir dass Autopoiesis, Selbstreferenz oder Codeoperationen hier nicht ausreichen. "Identität" scheint doch mehr ein Programm oder gar ein Wert zu sein?
3) Wie wandelt sich die Systemidentität?
4) Wie wird sie verstärkt oder abgeschwächt? Durch Autopoiesis? Ist diese Bestärkung das, was man bei psychischen Systemen "Selbstbewusstsein schaffen" nennt?
5) Kann man diese Systemidentität mit der Identität eines psychischen Systems vergleichen, also welche Funktion haben beide?
 6) Besitzen Hartz-IV-Empfänger weniger Identität als vor ihrer Arbeitslosigkeit? Oder ist es eine andere Identität?
7) Ist Identität ein ähnlich breiter Begriff wie ein Wert, sodaß damit Stabilitäts- und Veränderungsbewegungen von Systemen analysiert werden können?
8) Brauchen wir in der Systemtheorie so ein Begriff überhaupt? Oben wurden systemtheoretische "Ersatzbegriffe" (Autopoieses, Code, usw.) bereits angedeutet. Was hätte der Begriff der Identität für einen Erkenntniswert?

So allzu viel scheint im Register zweier wichtiger Luhmannwerke nicht zu finden zu sein, es scheint aber ein Einstieg zu sein:
  • sozSys: Identität 100, 1 1 2 , 136, 252, 356f.; s. Reflexion - als Erwartungsbedingung 426 ff. -, personale/soziale 352, 360 f.,373. 551 
  • GdG: Identität 46 f., 94, 628, 796 f., 878, 889, 931, 1015, 0135, 1051
Man müsst mal in die Bibliothek gehen, Literaturrecherche und bei intensiv Luhmann nachlesen, oder wer hat eine spontane Meinung dazu?