Sonntag, 25. November 2018

Abduktion - mit Bezugsproblemen die Methode Luhmanns?

Zunächst die Basis:


(Kromrey 2010: 80)

oder mit Peirces Worten:

Regel (Hypothese, Gesetz, Prinzip)
Fall (Ursache, Bedingung)
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Resultat (Wirkung)



(Schubert 2009: 345)
"Abduktion – Kreatives Handeln" (Schubert 2009: 345) 
(natürlich neben der Induktion...)









(Bateson 1993: 178)

Und wie ist die Methode bei Durkheim? Abduktiv? Suche nach vergleichenden Fällen sozialer Milieus? (Dann ist es wohl mit Hilfe eines Bezugsproblems nicht weit zur funktionalen Methode bei Luhmann - oder? Der Fall der Ökonomie, der Fall des politischen Systems, .... - die Funktionssysteme?)
(Durkheim 2011: 214-215)




(Peirce 1965: 153, 374)
In Abwandlung mit Peirces Original, dass "All beans in this bag are white" (Peirce 1965: 374):  Könnte man Fälle suchen, die aus einer Schachtel, einem Universum oder einem Funktionssystem stammen?
(Man beachte, dass Peirce auch "Hypothesis" schreibt, wenn er aus hier der Sicht "Abduction" meint; genauere Gründe dazu siehe Reichertz 2013.)

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Dieser o.g. vermutete Begründungszusammenhang entstand  im Entstehungszusammenhang dankenswerter Fragen von Laura, Felix, Can, Jan und Bernd: vielen Dank an euer großartiges Denken in einer Semantikwolke, auf der man gerne schwebte ....


---- Literatur
- Bateson, Gregory (1993): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
- Durkheim, Émile (2011 [1895]): Regeln der Beweisführung (Sechstes Kapitel). In: Émile Durkheim (Hg.): Die Regeln der soziologischen Methode. 7. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 205–217.
- Kromrey, Helmut (2010): Empirische Sozialforschung. Kurseinheit 1: Empirische Theorie, Forschungsprozess und Operationalisierung. Studienbrief Nr. 03607, FernUniversität in Hagen. KSW.
- Peirce, Charles Sanders (1965 [1931, ~1893]): Collected papers of Charles Sanders Peirce. I and II. I: Principles of Philosophy, II: Elements of Logic. Charles Hartshorne and Paul Weiss (Hg.). 3. Aufl. 8 Bände. Cambridge, Mass.: Belknap Press of Harvard Univ. Press (1/2).
- Reichertz, Jo (2013): Die Abduktion in der qualitativen Sozialforschung. Über die Entdeckung des Neuen. 2. Aufl. Wiesbaden: Springer VS.
- Schubert, Hans-Joachim (2009): Pragmatismus und Symbolischer Interaktionismus. In: Georg Kneer und Markus Schroer (Hg.): Handbuch Soziologische Theorien. Wiesbaden: VS, S. 345–367.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Subsystembildung in einer 15 Leute starken Seminar-Interaktion an der Uni

Mit einem Schlage bildeten sich vier Subsysteme in der Interaktion - nicht nur alle vier gleichzeitig, sondern gleich zweimal während des Seminars heute ([16-Okt-2018], 16-1800h). Einmal schien das Detailthema "erschöpft" - und alle merkten es gleichzeitig? Das anderes Mal war es eher inhaltlich amüsant - sodass man sich noch mal in der Nachbarschaft austauschen musste?

Sehr spannend zu beobachten, nächsten Dienstag weiter....

Samstag, 17. Juni 2017

Erklär´s mir, RWTH!: Professor Thomas Kron über Gründe für Gewalt, Teil 4 (nicht autorisiertes Transkript)


Das Video von Thomas Kron ist hier zu finden:
https://www.youtube.com/watch?v=rAktU5P27aY
(Zu letzt geprüft am 17.06.2017)

Das Transkript (ein wenig für die lesbare Form angepasst):
Man hat früher gedacht hatte, es gebe einen Hauptgrund der zu Terrorismus führt, also die These "Armut führt zu Terrorismus". Das ist empirisch schlichtweg falsch. Solche Gründe konnten sich konnten sich nie bestätigen, als einzige Gründe,  d.h. wir haben immer so eine Konfiguration von Gründen zu tun, die dann den Terrorismus wahrscheinlicher machen:
  1. Zum einen könnte man sagen, es gibt politische Gründe: Das sehen wir jetzt beim islamischen Staat, der ein ganz klares politisches Ziel hat, nämlich er möchte selbst einen Staat gründen, der islamische Staat ist ein Staatsgründungsprojekt, was bei Al Qaida noch nicht so der Fall gewesen ist. 
  2. Dann gibt es oft ökonomische Gründe; also der Versuch, gewisse Ungleichheiten oder Nachteile, die die Terroristen sehen, auszugleichen; also der Osten, der Nahe Osten vor allen Dingen, der gegenüber dem Westen - wenn man das so ganz pauschal sagen will - in den letzten hundert Jahren sich als ökonomische Verlierer betrachten muss, obwohl er in der Geschichte vorher eigentlich gute Ausgangspositionen hatte nicht so weit hinterherzuhinken.
  3. Dann gibt es - das wird häufig angewandt - gemeinschaftliche Gründe: Das ist das Theorem aus der Sozialpsychologie der sozialen relativen Deprivation. D.h. es gibt Menschen auf der Welt, die merken, ich bin benachteiligt, und dann gucken sie auf ihre Nachbarn, und stellen im Vergleich fest, dass man besonders benachteiligt ist. Und wenn man sich die sozialstrukturellen Daten anguckt von Kindersterblichkeit, Ärzte pro Einwohner, Bruttosozialprodukt pro Kopf usw.; dann sieht man, dass die meisten Staaten im Nahen Osten etwa im Vergleich zu Europa komplett hinterherhinken. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zusagen, na ja gut, denen, den wir hinterherhinken, die sind auch Schuld an unserem Mangel, den wir jetzt gerade erleiden. 
  4. Und als viertens könnte man auch kulturelle Gründe mit hineinnehmen, also beispielsweise (das ist klar) beim islamistischen Terrorismus etwas religiöse Gründe. Der heißt ja nur so, oder wird so bezeichnet, weil er eben auch etwas mit dem Islam zu tun hat, auch wenn sich viele Verteter von muslimischen Gruppen nach jedem Anschlag bemüssigt fühlen zu sagen, das hätte nichts mit dem Islam zu tun. Aber de facto hat es das natürlich doch, weil die Terroristen sich immer wieder darauf berufen; und weil solche Konzepte wie Dschihad oder Märtyrertum sind eben religiöse Konzepte. 
D.h .wir haben hier ein Gemengelage aus ganz verschiedenen sehr komplexen Gründen, die je nachdem um welchen Terrorismus es sich handelt, mehr oder weniger vorkommen. Aber es ist nie nur ein Parameter, d.h. man findet auch wenn man dann über Gegenmaßnahmen spricht, ist es nicht besonders klug, sich nur auf einen Faktor zu stützen, weil einem niemand garantiert, dass wenn man einen Faktor wegnimmt, dass der Terror dann aufhört.

Freitag, 2. Juni 2017

Evolution und Hypothese(n)?

Wie ich finde erklärt Evolution mit seinen drei Mechanismen zunächst wenig, es sei den man packt die Darwins Hypothese "Survival of the Fittest" hinzu.

  1. Aber wie hieße die These bei Luhmann dazu? Gibt es da eine? Ich muss dringend das Evolutionskapitel in GdG noch mal lesen (irgendwie habe ich da was überlesen)....
  2. Heißt das, dass Mechanismen grundsätzlich nichts erklären? Ich muss dringend Rainer Schützeichels Veröffentlichung(en) dazu lesen....

Irritationsgestaltung (Mölders) vs. Irritationen vs. Grenzstellen (beides Luhmann)

Ganz interessant, dass Kieserling das Thema Grenzstellen aufgreift - ich bin sehr gespannt auf sein Seminar dieses Semester. Denn Strukturelle Kopplung kann man sicherlich bei Luhmann weiter ausarbeiten - wei beispielsweise die Kopplung "über" Organisationen (Lieckweg). Frage bleibt, ob das nicht nur "einfach" eine - oder besser N - Ausdifferenzierung der beteiligten N Funktionssysteme ist?

Sonntag, 12. Februar 2017

Einsteins Welt, Sophie's Welt, eine Welt

Einstein:





Sophie:
Sophie ist jemand anderes als Sofie, aber sie sind sich schon irgendwie ähnlich

Handwackel-Lieder

Samstag, 28. Mai 2016

Wie sind Irritationen durch Intervention in Schnittstellen möglich?

Ein Kommentar zum Textausschnitt von Baecker 2005: 254-278 mit Hilfe der Leitfrage von Mölders (2016):

1) Wer oder was irritiert wen oder was  (Mölders 2016)?
Baecker diskutiert die Intervention in Verhältnisse zwischen Kommunikation und Bewusstsein (273), d.h. Kommunikation irritiert Bewusstsein und vice versa (261, 268). Im Rahmen einer Interaktion sind dies zwei Perspektiven: Zum einen ist es die Interpretation einer Kommunikation, beispielsweise ein Thema (258); zum anderen ist es das Handeln und Erleben des Individuums durch sein Bewusstsein (261).

2) Wie wird irritiert und wozu (Mölders 2016)?
Irritation erfolgt durch Intervention in die Schnittstellen zwischen Kommunikation und Bewusstsein (276). Intervention ist definiert als "Konflikt" im Hinblick auf die "Schnittstelle" (276). D.h. es wird ein Konflikt reflektiert, um die Schnittstellen zu variieren (276). Hinzu kommt, dass die Schnittstelle ein bestimmtes Design besitzt. Dieses ist definiert als eine "Form" im Hinblick auf ihre "Funktion" (265). Dadurch wird der Konflikt im Hinblick auf die Form dieses Design verarbeitet. Die Schnittstelle kann bei dieser Intervention in ihrer Funktion so variiert oder neu gestaltet werden, dass der Konflikt als Form weniger auffällt. Baecker nennt ein Beispiel, in dem Verstöße gegen die Verkehrsordnung gefilmt und bei der Polizei zur Kenntnis gebracht werden (277). Hier werden somit Konflikte markiert (gefilmt) und in der Schnittstelle (Design Recht/Polizei) als eine Funktion (Verstoß gegen gesetztes Recht) verarbeitet.

3) Zwei Hypothesen warum die Intervention überhaupt verarbeitet werden sollte:
Baecker erklärt vielleicht indirekt, warum überhaupt eine Störung überhaupt verarbeitet wird. Voraussetzung ist die Annahme (in Anlehnung an Luhmann), dass eine vollständige Bestimmtheit des Sozialen das Unbestimmte eine unverzichtbare Rolle spielt (254). Konkreter sind dies beim Bewusstsein wie bei der Kommunikation deren Endloshorizonte, aus denen immer wieder neue Sinnverweisungen gewonnen werden können, und die es ermöglichen, Bestimmtheiten auf Unbestimmtheiten zurückzurechnen  (267). (Erstaunlicherweise benutzt Baecker hier nicht den Begriff der Kontingenz.) Diese Unbestimmtheit konkretisiert sich offenbar in der oben genannten Schnittstelle (so meine erste Hypothese), bei der die Aufmerksamkeit dadurch sichergestellt werden kann, dass sie zwischen Irritation und Faszination oszilliert (269). (Hierbei benutzt er den Begriff der Irritation eher umgangssprachlich und nicht als theoretischen Begriff wie bei Luhmann oder in unserem Seminar.) Es geht also darum, dass das Design die Schnittstelle zwischen Kommunikation und Bewusstsein so besetzt ist, dass selektiv ausgelotet wird welche kommunikativen Absichten mit welchem Typ von Wahrnehmung verbunden oder strukturell gekoppelt werden können. Dass es überhaupt zur Aufmerksamkeit kommt (so meine zweite Hypothese) ist in Anlehnung an Luhmann, dass die Störung zunächst eine Komplexitätszunahme verursacht (für die Polizei ist der angezeigte Verstoß zunächst als Kommunikation unbestimmt, erst in der Wahrnehmung des Individuums wird es als relevantes Thema erlebt), welche in Form von Komplexitätsreduktion verarbeitet wird (als Vorgang im Rechtssystem: D.h. der Verstoß wird als Protokoll verschriftlicht und als Prozess in die Verwaltung gegeben).


(Von Lutz Ebeling, 28.05.2016)

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Literatur:

  • Baecker, Dirk (2005): Form und Formen der Kommunikation. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Mölders, Marc (2016): Irritationsgestaltung. Seminare im WiSe 2014_15 und SoSe 2016, ekVV-Belegnummern: 300168 bzw. 300148. Universität Bielefeld. Online verfügbar unter https://ekvv.uni-bielefeld.de/kvv_publ/publ/vd?id=37979814, zuletzt geprüft am 08.04.2016.